Raus aus der Perfektionismusfalle: 6 Tipps, die wirklich helfen

Klinisch geprüft von Dr. Chris Mosunic, PhD, RD, CDCES, MBA

Mit Perfektionismus umzugehen, kann herausfordernd sein. Gleichzeitig gibt es praktische Wege, wie du einen gesünderen und ausgeglicheneren Umgang mit deinen Zielen finden kannst. Mit diesen sechs Tipps kannst du den inneren Druck Schritt für Schritt reduzieren.

Viele von uns kennen diesen inneren Drang, alles besonders gut oder „richtig“ machen zu wollen. Wenn du dieses Gefühl schon einmal hattest, bist du damit nicht allein: Perfektionismus ist weit verbreitet und kann jeden betreffen. Ob im Job, im privaten Umfeld oder bei ganz alltäglichen Aufgaben: Der Wunsch nach Perfektion kann zwar antreiben, wird aber schnell auch zur Belastung. Oft kostet er viel Energie und fühlt sich auf Dauer erschöpfend an.

Perfektionismus zu verstehen und bewusst mit ihm umzugehen, ist ein wichtiger Schritt hin zu einem gesünderen und entspannteren Lebensstil. Mit einer ausgewogeneren Perspektive kannst du dein Bestes geben, ohne dich von unrealistischen Erwartungen unter Druck setzen zu lassen.

 

Was bedeutet Perfektionismus?

Perfektionismus heißt nicht einfach, sein Bestes zu geben. Er beginnt dort, wo du dir extrem hohe Ansprüche setzt – oft so hoch, dass sie kaum zu erreichen sind. Wenn du zu Perfektionismus neigst, bist du vielleicht sehr streng mit dir selbst und wertest schon kleine Fehler als großes Scheitern. Das kann es schwer machen, zufrieden zu sein. Selbst dann, wenn du wirklich gute Arbeit geleistet hast.

Vielleicht hast du das Gefühl, nur dann wertvoll oder anerkannt zu sein, wenn alles perfekt ist. Das kann dazu führen, dass du dich ständig überforderst, weil du immer wieder versuchst, deinen eigenen hohen Erwartungen gerecht zu werden. Dahinter steckt oft die Angst, nicht gut genug zu sein und die Sorge, was andere über dich denken.

Aber woher kommt Perfektionismus eigentlich? Und welche Auswirkungen kann er auf deine Gesundheit haben, auch im Zusammenhang mit Angst? Wenn du die verschiedenen Formen von Perfektionismus besser verstehst und hilfreiche Strategien kennst, fällt es leichter, einen ausgewogeneren und erfüllteren Weg für dich zu finden.

Was sind die Ursachen von Perfektionismus?

Perfektionismus entsteht oft durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren – zum Beispiel durch das Umfeld, in dem wir leben, unsere Erfahrungen und unsere Persönlichkeit. Auch die Art, wie wir aufgewachsen sind, kann eine Rolle spielen. Wenn Eltern oder Lehrer immer nur das Beste erwartet haben und kleine Fortschritte kaum anerkannt wurden, kann sich leicht das Gefühl entwickeln: „Ich muss perfekt sein, um wertgeschätzt zu werden.“

Dazu kommen kulturelle Einflüsse. In einer Welt, in der Leistung und Erfolg oft besonders hoch bewertet werden, kann der Druck, „alles richtig“ zu machen, enorm sein.

Perfektionismus kann aber auch von innen kommen: Manche Menschen haben eine Veranlagung, die sie besonders stark vor Fehlern zurückschrecken lässt oder ihnen ein großes Bedürfnis nach Kontrolle gibt. Dann wirkt alles, was nicht perfekt ist, schnell wie „nicht gut genug“, obwohl es in Wirklichkeit völlig ausreichend wäre.

 

Die negativen Auswirkungen von Perfektionismus

Je stärker du nach Perfektion strebst, desto mehr Druck kann entstehen. Und dieser Druck bleibt selten ohne Folgen: Er kann sich auf deine Gesundheit auswirken und deinen Alltag deutlich belasten. Wenn du Ursachen und Auswirkungen besser verstehst, fällt es leichter, Perfektionismus Schritt für Schritt zu entschärfen und mehr mehr Leichtigkeit in dein Leben zu bringen.

  • Burnout: Burnout kann entstehen, wenn du ständig versuchst, überall perfekt zu sein und dabei mental und körperlich irgendwann völlig erschöpft bist.

  • Stress: Wer immer alles „richtig“ machen will, lebt oft unter Daueranspannung. Hält dieser Druck lange an, kann daraus chronischer Stress werden, der die Gesundheit belastet.

  • Angst: Die Angst vor Fehlern kann dauerhaftes Grübeln und Sorgen auslösen. Wenn du dir extrem hohe Ansprüche setzt, kann schon der Gedanke, ihnen nicht gerecht zu werden, Angst verstärken.

  • Depression: Wer ständig nach dem Unmöglichen strebt und sich immer wieder als „nicht genug“ erlebt, kann sich irgendwann traurig, frustriert oder hoffnungslos fühlen. Wenn die eigenen Erwartungen - ob realistisch oder nicht - dauerhaft unerreichbar wirken, kann das das Risiko für depressive Symptome erhöhen.

Perfektionismus und Angstgefühle

Perfektionismus und Angst hängen oft eng zusammen. Vielleicht stellst du dir immer wieder die Frage, ob du gut genug bist. Wer perfektionistisch denkt, macht sich häufig dauerhaft Sorgen, Fehler zu machen. Selbst in Situationen, in denen Fehler völlig normal oder sogar zu erwarten sind. Diese ständige Anspannung kann sich mit der Zeit zu Angst entwickeln.

Wenn du zu Perfektionismus neigst, kreisen deine Gedanken womöglich um jedes Detail. Du feilst lange an Dingen, die eigentlich schnell erledigt wären, nur weil du möchtest, dass alles „genau richtig“ ist. Der Kopf läuft auf Hochtouren: Was fehlt noch? Was könnte schiefgehen? Das kann es schwer machen, dich zu konzentrieren, gut zu schlafen oder den Alltag wirklich zu genießen.

Angst, die durch Perfektionismus entsteht, zeigt sich nicht immer gleich. Manche vermeiden Aufgaben oder Herausforderungen, weil sie fürchten, sie nicht perfekt zu schaffen. Andere schieben Dinge auf, weil sich schon der Start überwältigend anfühlt. Und wieder andere kontrollieren ihre Arbeit immer wieder, ohne am Ende wirklich zufrieden zu sein.

Wenn du dir bewusst anschaust, wie Perfektionismus und Angst bei dir zusammenhängen, kannst du besser erkennen, wann der Wunsch nach Perfektion dir mehr schadet als hilft.

 

Die 3 Arten von Perfektionismus

Perfektionismus zeigt sich nicht immer gleich. Man unterscheidet drei Formen und es kann helfen, sie zu kennen. Denn sobald du besser verstehst, woher deine perfektionistischen Muster kommen, fällt es leichter, wieder mehr Balance zu finden. Ob der Druck eher aus dir selbst kommt, aus dem Umfeld oder aus den Erwartungen anderer: Du kannst lernen, anders damit umzugehen.

1. Sozial vorgegebener Perfektionismus

Hier fühlst du dich von außen unter Druck gesetzt, perfekt sein zu müssen. Du hast das Gefühl, dass Menschen in deinem Umfeld wie Familie, Freunde oder Kollegen, erwarten, dass du keine Fehler machst. Vielleicht hast du Angst, andere zu enttäuschen oder nicht zu genügen. Und so versuchst du ständig, einem Standard gerecht zu werden, den scheinbar jemand anderes für dich festlegt.

2. Selbstbezogener Perfektionismus

Bei dieser Form kommt der Druck von innen. Du setzt dir selbst extrem hohe Maßstäbe und willst sie unbedingt erreichen. Egal, wie viel Energie es dich kostet. Es geht nicht nur darum, etwas gut zu machen, sondern um die Überzeugung: Ich muss in allem perfekt sein. Das führt oft zu harter Selbstkritik und Enttäuschung, wenn etwas nicht genau so läuft, wie du es dir vorgestellt hast.

3. Fremdbezogener Perfektionismus

Hier richten sich die hohen Ansprüche vor allem an andere. Du bist schnell kritisch, wenn Menschen nicht so arbeiten oder handeln, wie du es erwartest. Das kann Beziehungen belasten, weil du von anderen denselben Perfektionsstandard verlangst, den du auch an dich selbst anlegst.

 

6 Tipps, um aus dem Perfektionismus rauszukommen

Mit Perfektionismus umzugehen, kann anstrengend sein. Gleichzeitig gibt es konkrete und alltagstaugliche Wege, um einen gesünderen, ausgewogeneren Umgang mit deinen Zielen zu finden. Es ist vollkommen in Ordnung, nach Qualität und Exzellenz zu streben. Genauso wichtig ist es jedoch, dir selbst dabei mit Freundlichkeit zu begegnen.

Diese sechs Tipps können dir helfen, den Griff des Perfektionismus langsam zu lockern und dein Leben entspannter und erfüllter zu erleben.

1. Feiere deine Erfolge

Statt dich darauf zu fokussieren, was nicht geklappt hat oder noch besser sein könnte, richte deine Aufmerksamkeit bewusst auf das, was dir gelungen ist. Feiere deine Erfolge, egal, wie klein sie erscheinen. Es geht darum, deinen Einsatz zu würdigen, nicht nur das Endergebnis. Dieser Perspektivwechsel kann den inneren Druck spürbar reduzieren.

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2. Sieh Fehler als Lernchancen

Niemand ist perfekt. Fehler gehören zum Lernen und Wachsen dazu. Wenn dir etwas nicht gelingt, versuche, es als Gelegenheit zu sehen, etwas dazuzulernen. Diese Haltung hilft dir, verständnisvoller und nachsichtiger mit dir selbst umzugehen.

🫶 Entdecke die Daily Calm “Fehler als Geschenke betrachten und erlaube dir einen neuen Blickwinkel zu finden.

3. Setze realistische Erwartungen

Ziele dürfen ambitioniert sein, sollten aber machbar bleiben. Wenn du dir realistische Ziele setzt, erlebst du häufiger Erfolg und weniger Stress, weil du nicht ständig versuchst, einem unerreichbaren Ideal gerecht zu werden.

🫶 Erfahre in der Daily Calm “Erwartungen” wie du das ganz praktisch im Alltag umsetzen kannst.

4. Teile Aufgaben in kleine Schritte auf und fang einfach an

Aufschieben entsteht oft aus der Angst, etwas nicht perfekt umzusetzen. Teile größere Aufgaben in kleine, überschaubare Schritte und beginne mit dem einfachsten. Ein kleiner Anfang nimmt den Druck und bringt dich ins Tun.

🫶 Fokussiert bei einer Sache zu bleiben, kann Überforderung reduzieren und die Konzentration stärken. Entdecke mit „Entspannung mit Single-Tasking“, wie Achtsamkeit dich dabei unterstützt.

5. Erinnere dich daran, dass Perfektion nicht nötig ist

Nimm bewusst Druck raus: Du musst nicht perfekt sein. Du kannst erfolgreich und zufrieden sein, auch wenn nicht alles fehlerfrei läuft. Weniger Druck führt oft zu mehr Leichtigkeit und zu mehr Freude an dem, was du tust.

🫶 Erforsche deine Beziehung zum Perfektionismus mit der Serie “7 Tage Selbstachtung” und lasse übermäßige Ansprüche los.

6. Begrenze deine Zeit für Aufgaben

Setze dir ein klares Zeitlimit für eine Aufgabe und geh danach weiter. So verhinderst du, dich zu überarbeiten oder dich in Details zu verlieren. Mit der Zeit lernst du, effizienter zu arbeiten und anzuerkennen: Oft ist „gut genug“ wirklich gut genug.

 

Häufige Fragen zum Thema Perfektionismus

Was kann ich gegen meinen Perfektionismus tun?

Der erste Schritt ist Bewusstsein. Erkenne, wann du dir zu hohe Maßstäbe setzt, und frage dich ehrlich, ob sie wirklich notwendig sind. Übe Selbstmitgefühl, setze erreichbare Ziele, lerne aus Fehlern und erinnere dich daran, deine Erfolge zu würdigen. Auch der Austausch mit Freunden oder professionelle Unterstützung kann hilfreich sein.

Wie entsteht Perfektionismus?

Die Ursachen sind vielfältig. Manche entwickeln Perfektionismus durch hohe Erwartungen in der Kindheit, andere durch gesellschaftlichen Druck oder die Angst zu versagen. Oft ist es eine Mischung aus äußeren Einflüssen und inneren Überzeugungen. Deine persönlichen Auslöser zu erkennen, kann ein wichtiger Schritt sein, um besser damit umzugehen.

Kann man Perfektionismus loslassen?

Perfektionismus verschwindet meist nicht vollständig, aber er lässt sich gut regulieren. Mit Geduld, realistischen Zielen, Selbstmitgefühl und Unterstützung kannst du lernen, entspannter mit dir selbst und deinen Ansprüchen umzugehen.

Hat Perfektionismus etwas mit ADHS zu tun?

Perfektionismus ist kein Kernsymptom von ADHS, kann aber begleitend auftreten. Manche entwickeln ihn als Strategie, um mit Herausforderungen wie Ablenkbarkeit oder Unordnung umzugehen. Das trifft jedoch nicht auf alle zu.

Wie hängt Perfektionismus mit Angstgefühlen zusammen?

Der ständige Druck, fehlerfrei sein zu müssen, kann zu innerer Anspannung und Sorgen führen. Diese zeigen sich häufig in Aufschieben, Grübeln oder übermäßigem Kontrollieren. Achtsamkeit, Entspannungsübungen und kognitive Strategien können helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen.


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Images: Getty

 
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